Gedanken zur Weihnachtsfeier 2016/17   (von Thomas DJ5RE)

Am 20.3.2017 begeht der Amateurfunk in Deutschland ein Jubiläum. An diesem Tag vor 90 Jahren, also 1927, fusionierte der Deutsche Empfangsdienst DED und der Deutsche Sendedienst DSD zum DASD, Deutscher Amateur Sende- und Empfangsdienst. Dieser darf als Vorläufer des DARC betrachtet werden. Viele Hürden gab es noch zu nehmen, turbulente Zeiten standen der jungen Vereinigung bevor. Es gab genügend Frust über die Jahre, aber die Gemeinschaft kämpfte und gab nie auf.

Nach dem grandiosen Auftritt bei „100 Jahre ARRL“ wäre es doch auch in Deutschland angebracht, an dieses Ereignis zu erinnern. Ich überlegte, was man tun könnte. So reifte die Idee, einmal die sogenannten Standardgeräte aus den Anfangsjahren zu bauen und damit Betrieb zu machen. Erste Unterlagen wurden gesichtet. Schnell erkannte ich die Schlüsselbauteile, von denen ein Nachbau abhängt. In diesem Fall waren es sogenannte Steckspulenkörper, keramische Zylinder mit Steckanschlüssen. Ich beschloss, es mit einem Inserat in der CQDL zu versuchen.  Gesagt getan. Im Online Formular wählte ich „in den nächsten drei Ausgaben veröffentlichen“. Schon beim ersten Druck der Kleinanzeige im Heft 7/2016 erhielt ich tolle Resonanz. An einem Samstag meldeten sich drei OM’s, alle älter 90 Jahre. Zwei wollten mir solche Spulenkörper schenken, der dritte gab sie für kleines Geld ab. Es waren interessante, erkenntnisreiche Telefongespräche. Einer der Anrufer, Norbert Illgen, schickte mir neben Spulenkörpern gleich einen ganzen Karton zeitgemäßer Bauteile. Norbert ist stark körperbehindert und brauchte die Hilfe seines Sohnes zum Durchforsten seiner Bestände. Hamspirit pur! Die Kleinanzeige war wie ein Pickel, kam immer wieder….weit mehr als dreimal! Immer mehr OM meldeten sich, die einen „absoluten Spulenkörper-Notstand“  bei mir vermuteten und wollten ihr Keramik in Gold aufgewogen haben. Naja. Norbert las auch wiederholt meine Anzeigen und beschloss, seine Röhren für mich zu inventarisieren. Ich bekam die Liste per Brief und hatte „freie Auswahl“. „Warte nicht zu lange, ich bin 93“, sagte er am Telefon. Was für ein Mensch! Bald kam von ihm ein Paket und ich ging in den Keller um die wertvollen Stücke zu prüfen und einzulagern. Da entdeckte ich ein paar E-Röhren im Schrank, die ich gar nicht mehr am Schirm gehabt hatte. War da nicht im letzten CQDL die Kleinanzeige eines mir bekannten OMs aus Regensburg? Ich holte das Heft, und tatsächlich: Bei mir lagen die Röhren, die gesucht wurden, ungenutzt herum. Ich rief dort an um die Versandadresse zu erfragen. Der OM erinnerte sich an unsere Begegnung in den 90‘ern. „Ja mei, die Amberger. Ihr seid schon ein ganz besonderer Haufen“, so fing er an. „Ich bin genau im Bild, was bei Euch alles läuft. Es gibt nichts, was ihr nicht stemmt. So breit wie ihr ist kein OV aufgestellt. Im ganzen Distrikt schauen sie auf Euch. Was ihr schon alles an Gemeinschaftsleistung vollbracht habt, das geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen“. Mir wurde dieses Loblied auf unseren OV schon etwas peinlich, aber er war nicht zu bremsen. Er kannte nahezu alle Projekte der letzten Jahre. Erstaunlich!
Man spricht über uns. Nach dem Telefonat verpackte ich die Röhren und dachte dabei über die lobenden Worte nach. Ja, es stimmt. Wir haben gemeinsam viel bewegt. Das Räderwerk „OV Amberg“ funktioniert, alles dreht sich und es bewegt sich was. Mal dreht es schneller, mal langsamer, aber es steht nie still. Es wurde mir aber auch klar, dass jedes Rädchen seine Funktion hat. Fällt eines aus, ist das gesamte Getriebe gefährdet. Und es dreht sich auch nur, wenn der gesamte OV an der Kurbel dreht. Ein fragiles Gebilde!i der Pflege und dem Erhalt dieses fragilen Gebildes aktiv mitzuwirken. Dreht mit an der Kurbel, haltet Euren Platz im Räderwerk, schmiert die Lager und fettet die Zahnräder. Vor allem aber achtet alle geschlossen darauf, dass kein Sand in das Getriebe gerät. Sand ist ganz schlecht. Sobald an einer Stelle Sand aufgewirbelt wird müssen alle anderen schleunigst dafür sorgen, dass der Wind verweht, sich ohne weitere Turbulenzen schnell wieder legt und somit kein Dreck in das Getriebe kommt. Das ist keine leichte Aufgabe. Sie kann nur gestemmt werden, wenn Einigkeit und respektvoller Umgang miteinander die Regel sind.
Daher meine innige Bitte: Sollten jetzt, zum Jahresende, irgendwo noch Gräben offen sein wäre es an der Zeit, diese noch heuer zu schließen, damit die Aufgaben im neuen Jahr wieder sachlich und respektvoll ausdiskutiert und gemeinsam erledigt werden können. Wenn uns dies, auf OV-Ebene und im Kopfverband, gelingt, bin ich zuversichtlich, dass der Motor des Amateurfunks, die Gemeinschaft und der HAM Spirit, auch nach 90 Jahren noch funktioniert und uns weiter nach vorne in die Zukunft bringt.
Die Randbedingungen in den frühen Jahren waren weitaus schlechter, aber die OM’s steuerten das Schiff dennoch durch die Wogen. Ich denke, das haben wir nicht verlernt. Packen wir’s an….oder? Ich wünsche uns allen viel Erfolg dabei!

Eine  interessante Abhandlung über den Ham-Spirit!
Ham-Spirit bezeichnet den Ehrenkodex im Amateurfunk.

von Thomas DJ5RE

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